Darfs ein bißchen Türkei sein ?


Türken mögens kitschig

Romantische Worte

Die Deutschen gelten als strenges Volk. Alles ist bis ins kleinste Detail organisiert, das Land ist für seine Bürokratie berühmt. Während in anderen Ländern gerne einmal ein Auge zugedrückt wird, kann in Deutschland jedes Wort gegen den Betroffenen verwendet werden. Doch wie ist es mit den Türken? Es heißt, sie wären ein extrem kitschiges Volk. Quasi das Gegenteil der Deutschen. Aber stimmt das wirklich? Um das herauszufinden, schauen wir uns das Land und die Mentalität dieser Menschen genauer an.
Türken lieben es Süßholz zu raspeln. Sie lassen ihren Gefühlen freien Lauf, romantische Geschichten sind für sie selbstverständlich. Ganze Regale, gefüllt von oben bis unten, könnten ihre literarischen Meisterwerke füllen. Wenn wir uns einige Türken betrachten, fällt uns auf, wie emotional sie sind. Sie fuchteln wild mit ihren Händen und lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Kein Wunder wenn es da einmal etwas lauter wird. Deutsche denken gleich, es würde Streit geben. Dabei ist es für die südlichen Kulturen völlig normal, mehr Energie in einzelne Worte zu stecken. Deshalb lieben es die Türken, offen ihre Liebe zu zeigen. Sie sagen ihren Frauen, was sie denken. Dies hat nicht zwangsläufig etwas mit der Religion zu tun. Denn die deutschen Türken sind zu einem großen Teil an die Emanzipation gewohnt und kennen die Rolle der Frau auch nicht anders. Sie handeln, wie es sich für ihre Kultur gehört: Mit Gefühlen.

Süße Stückchen

Jeder kennt türkisches Gebäck. Es ist extrem süß und hat unheimlich viel Zucker. Doch lecker ist es, das muss man den süßen Stückchen lassen. Auf viele Menschen macht es einen kitschigen Eindruck, wenn die neuen Tische voller Süßigkeiten den Gästen präsentiert werden. Dabei hat es meistens einen anderen Grund. Türken feiern Ramadan und müssen aus Ehrfurcht vor Allah hungern. Nach dieser Fastenzeit dürfen sich alle die Bäuche so richtig vollschlagen. Dies geschieht in einem großen Festmahl, an dem alle Familienmitglieder teilnehmen.
Auf einen Deutschen mag so eine Tradition sehr kitschig wirken, da alle an einem Tisch versammelt sind und feiern. Bei den Christen gibt es nichts vergleichbares, da schon lange nicht mehr gefastet wird. Allgemein betrachtet haben in Deutschland nur die Mönche so richtig gefastet und das ist schon viele Jahre her. In heutiger Zeit machen es nur noch die Wenigsten.
Doch bei diesem Fest handelt es sich um eine schöne Tradition, die zu den Ursprüngen des Islams gehört. Süßigkeiten zeigen nach einer langen Fastenzeit, dass es sich lohnt zu hungern. Nach einer Zeit voller Entbehrungen ist dies auch eine angemessene Belohnung. Ob man diese Tradition als Kitsch bezeichnen kann, soll in den Sternen bleiben. Es ist schließlich Religion und kein Teufelswerk.

Liebevolles Zuhause

Als erstes sticht einem Deutschen nicht das Liebesgedicht eines Türken ins Auge, wenn er an Kitsch denkt. Die Wohnungen bieten Vorurteile in aller Hülle und Fülle dazu an. Zimmer sind bunt verziert, grelle Lichterketten hängen an Decken und Wänden. Es wird viel mit bunten Farben gearbeitet und eine Wohnung blendet vor lauter Tönen fast schon die Augen.
Dies mag auf einen Mitteleuropäer sehr befremdlich wirken, der eher weiße Marmorsäulen als ein Schönheitsideal verbindet. Deutsche Städte werden stets in monotonen Farbtönen gehalten und viele Kombinationen gelten als geschmacklos. Bei den Türken ist es anders. Sie lieben eine kunterbunte Einrichtung, die einer Wohnung den individuellen Touch vermitteln soll. Kein Zimmer ist wie das andere, keine zwei Gegenstände passen so wirklich zusammen. Natürlich ist es nicht bei allen Türken so, doch es trifft auf viele Wohnungen zu. Das hat wenig mit Geschmacklosigkeit zu tun, sondern mit Tradition. Bunte Farben treffen eher die lebensfrohe Einstellung dieser Menschen als strenge Säulen. Das ist auch gut so. Denn wären alle Menschen auf der Welt gleich, gäbe es keine Individualität.